19. juli – I’m gonna be nice to yea

So, mein zweiter Versuch, diese haarsträubende Story zu blog zu bringen. Das letzte mal verschwand mein ausführlicher Eintrag irgendwo in einem nicht existenten Ordner meiner Notizsoftware. Mein Fehler, ich hatte daran rumgebastelt und vergessen, dass da irgendwas nicht mehr richtig funktionierte. Dies war kurz vor Miami und verdarb meinen Appetit auf weitere grössere blogeleien während unserer Reise. Nun habe ich den Fehler gefunden und das Blogen kann weiter gehen…

Also, besagtes Ereignis fand am 19. Juli irgendwo nach St. Augustine, im County Jasper, in der Nähe von Hilton Head statt. Das Wetter gab sich alle Mühe uns das bestmögliche Naturschauspiel zu bieten. Der Sonnenuntergang rang um Aufmerksamkeit mit dem Wetterleuchten. Die vom Regen in einen glänzenden Spiegel verwandelte Strasse reflektierte das Farbengewitter, so dass man gar nicht wusste wo man hinsehen sollte. Der Verkehr, vom plötzlich einsetzenden heftigen Regen verunsichert und durch Strassenarbeiten eingeengt, zwängte sich durch die verschmälerten Fahrbahnen. Ich, schon seit einiger Zeit am Steuer des Chrysler PT Cruiser Cabriolets, verliess den Highway und bogen nach rechts auf eine neue Strasse.

Unvermittelt gesellten sich zu den von Mutter-Natur beigesteuerten Farben unwirklich zuckende Rot-, Weiss- und grelle Blautöne. Ein Streifenwagen hatte sich an unser Heck geheftet, ganz offensichtlich daran interessiert, mit allen Mitteln unsere Aufmerksamkeit zu erlangen. Nun ja, die Strasse auf die wir eingebogen waren war nicht eine normale Strasse wie wir sie in der Schweiz kennen. Highway US-278 hatte vier Spuren, je zwei in eine Richtung, war gut und schnell befahren und besass keinen Pannenstreifen. Ich verlangsamte meine Geschwindigkeit unter das gesetzlich vorgegebene Maximum um eine gewisse Kooperationsbereitschaft zu signalisieren und den bösen Jungs keinen Grund zu liefern, auf unsere Reifen zu schiessen, befand es aber nicht für sicher, den Wagen auf dieser Strasse zum Stillstand zu bringen. Die hysterische, weibliche Masse hinter Fahrer- und Beifahrersitz verlangte lautstark das Ausschalten der Filmmusik. Sirenengeheul tat sich aus dem Wald von Umgebungsgeräuschen hervor. Nach einer kleinen Ewigkeit tauchte auf der rechten Seite eine Ausfahrt auf, eine gute Gelegenheit anzuhalten. Von Hollywood gut auf meine Situation vorbereitet, und tatkräftig von der hysterischen Masse hinter mir unterstützt, schaltete ich den Motor aus, liess das Licht brennen, öffnete das Fahrerfenster und legte die Hände auf das Steuer. Im Aussenspiegel der Fahrerseite erschien ein bulliger Bulle und war kurz darauf auch schon an meinem Fenster angelangt. Die Lippen in einem freundlichen Gesicht formten ein „How are you?“. „God evening Sir.“ Ohne auf meine falsche Antwort einzugehen fragte der Herr „Didn’t you notice me?“. Er war wohl doch nicht so erfreut, dass wir, trotz seinem lautstarken Auftritt nicht sofort angehalten hatten. Wir, das heisst mein Vater, der wohl Angst hatte ich würde die Situation noch ganz ausser Kontrolle bringen, erklärten ihm, dass wir aus der Schweiz seien (zuerst gleich mal den Europäerbonus auspacken) und es für unsicher betrachtet hatten, auf dieser Strasse anzuhalten. Verständnisvoll blickend klärte uns der Officer über den Grund seiner fröhlichen kleinen Lightshow auf. Irgendwie hatte ich vermutet es war nicht nur zu unserer Unterhaltung. Ich war mit 76 Meilen durch seine 60 Meilen Zone gedonnert. Mein Vater versuchte den Hüter des Gesetzes davon zu überzeugen, das wir MEHR oder weniger mit dem Verkehr gefahren seien, was den Herrn in Uniform nicht sonderlich beeindruckte. Er wollte meine Driving Licence und die Papiere des Fahrzeuges murmelte etwas wie „I’ll be right back…“ und verschwand damit im Rückspiegel Richtung Blitzlichtgewitter. Nach einigen Minuten erschien er wieder an meinem Fenster, händigte Führerausweis und Fahrzeugpapier aus und brummte „I’m gonna be nice to yea!“.

Er überreichte mir einen blauen Zettel, eine Verwarnung des States South Carolina und wies mich an, in Zukunft langsamer zu fahren und nicht mehr mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten. Eigentlich, meinte Deputy Sheriff Shiflett in fürsorglichem Ton, hätte er mich mangels Amerikanischem Führerausweis über Nacht in Arrest nehmen müssen! Toll, Abenteuerurlaub in einer Gefängniszelle, das habe ich mir schon immer mal gewünscht. Mit den Worten „Slow down!“ verabschiedete sich Herr Shiflett und ging zurück zu seinem Wagen. Als wir uns langsam vom Lichtermeer in der Heckscheibe entfernten teilten sich das Leuchten auf und brachte ganze drei (3) Streifenwagen zum Vorschein. Die Masse hinter dem Fahrersitz verfiel vollends in Panik. Der Deputy Sheriff musste wohl, als wir nicht sofort auf seinen Leuchtzirkus reagiert hatten, seine schiesswütigen Komplizen zur Hilfe gerufen haben, begierig auf eine wilde Verfolgungsjagd mitten in der Nacht. Denen hatten wir den Spass wohl reichlich versaut, die Bösen Jungs waren nichts weiter als ein Greenhorn und sein Vater, mit einer weiblichen hysterischen Masse auf den Rücksitzen. Als wir uns weiter von den Cowboys mit ihren Schiesseisen entfernten, beruhigte sich die Masse und die Stimmung schwang in fröhliche Witzeleien über. Es wurde darüber gespottet wie gerne man mich im Gefängnis besucht hätte und dass frau es verpasst hatte, von Shiflett eine Unterschrift zu ergattern. Ich musste die Rückfenstern öffnen um die übermütige Masse im feuchtwarmen Luftstrom einer Sommernacht in South Carolina ansatzweise zum Schweigen zu bringen. Nachdem wir in Hilton Head unsere Bleibe für die nächsten zwei Tage, das Comfort Inn, gefunden hatten, stieg ich aus dem Wagen und setzte mich in diesem Staat nicht mehr hinters Steuer.